Gebäudehülle auf Luftdichte messen

Eine sanierungsbedürftige Gebäudehülle

Da pfeift der Wind durch – eine eindeutig sanierungsbedürftige Gebäudehülle

Die Heizung läuft auf Hochtouren und trotzdem will es einfach nicht warm werden? Im ganzen Haus zieht’s und an Fenstern und Fugen bildet sich gefährlicher Schimmel? Wenn das der Fall ist, ist es gut möglich, dass die Gebäudehülle undicht ist.

In gut gedämmten Häusern verhindert die Luftdichte solche Bauschäden. Sie hilft dabei, Heizkosten zu senken, verbessert den Schallschutz und stoppt Zugluft. Um auf lange Sicht Schäden an der Bausubstanz zu vermeiden und Kosten zu sparen, sollten Sie die Luftdichte Ihrer Gebäudehülle untersuchen.

Dafür empfiehlt es sich, ein Differenzdruck-Messverfahren, einen sogenannten Blower-Door-Test durchzuführen.

Die Luftdichte Ihrer Gebäudehülle messen

Auch Bau begleitend die Luftdichte zu messen

Auch Bau begleitend macht es Sinn, die Luftdichte zu messen

Der weit verbreitete Glaube, ein Gebäude müsse Fugen und Ritzen haben, um „natürlich atmen zu können“, ist falsch. “Luftdicht” meint nicht das totale luftdichte Verschließen des Gebäudes, sondern die Vermeidung unerwünschter Leckagen an der Gebäudehülle.

Um diese Leckagen aufzuspüren, gibt es den Blower-Door-Test.  Er misst, präzise, wie luftdicht ein Gebäude ist und an welchen Stellen nicht. Auf diese Weise können Lecks in der Gebäudehülle aufgedeckt und gezielt abgedichtet werden.

Um die Messung durchzuführen, wird ein speziell dafür konzipiertes Gerät in eine Tür oder ein Fenster eingesetzt. Ein Blower-Door-Gerät besteht aus einem leistungsstarken Ventilator, um den eine Luft undurchlässige Plane gespannt ist.

Messen in drei Phasen

Es werden nun alle Türen im Haus geöffnet, die Fenster bleiben alle geschlossen.

  • In Phase 1 wird zunächst die Luft aus dem Haus heraus gesogen. Dabei entsteht ein Unterdruck, welcher vom Ventilator nun schrittweise erhöht wird. Aufgrund der so entstandenen Druckdifferenz kann nun verstärkt Luft durch die undichten Stellen in der Gebäudehülle einströmen. Dabei wird ermittelt, wie viel der warmen Innenluft durch den Ventilator nach draußen gelangt und wie viel kalte Luft durch undichte Stellen ins Gebäude strömt. Um unerwünschte Leckagen aufzuspüren, kommen außerdem auch häufig Wärmebildkameras oder Thermobarometer zum Einsatz.
  • In Phase 2 wird der Unterdruck weiter erhöht. Der Luftstrom wird dann bei verschiedenen Druckdifferenzen gemessen. Jedoch werden hier als Richtwert 50 Pascal Luftdruckdifferenz angesetzt. Das entspricht Windstärke 5 wirkend auf die gesamte Gebäudehülle.  Das dient dazu, den sogenannten n50-Wert zu errechnen. Damit kann man ermitteln, wie oft das Gebäude innerhalb einer Stunde, bei einer konstanten Druckdifferenz (50 Pascal) komplett mit neuer Luft gefüllt wird.
  • Im 3. Schritt des Blower-Door-Tests wird die Messung noch einmal wiederholt, allerdings bläst der Ventilator nun Luft in das Gebäude hinein. Dadurch entsteht ein Überdruck, mit welchem ebenfalls die Luftwechselrate gemessen wird. Stellt man fest, dass der ermittelte n50-Wert in Relation zum Nettovolumen des Gebäudes zu hoch ist, wird nach den dafür verantwortlichen Leckagen gesucht. Diese werden vom Prüfer für den Handwerker zur Behebung vor Ort gekennzeichnet und/oder in einem Leckageprotokoll dokumentiert.

Wann ist ein Blower-Door-Test Pflicht?

Bei einem Neubau ist es sinnvoll, den Blower-Door-Test vor Beginn des Innenausbaus durchzuführen. Denn so kann man schnell herausfinden, ob die Verbindungen von Dach und Fenstern luftdicht sind. Zudem lassen sich in dieser Bauphase Leckagen an der Dichtheitsebene des Daches oder an Anschlüssen und Durchbrüchen noch problemlos nachbessern. Noch sind diese Stellen ja frei zugänglich.

Bei einem baubegleitenden Blower-Door-Test sollte man also mindestens die Dampfsperr- bzw. Dampfbremsfolien anbringen und durch eine Unterkonstruktion sichern. Zudem sollte der Neubau schon verschließbarer Fenster und Türen haben. Idealerweise auch schon verputzte Wände.

Ist das Gebäude fertig, empfiehlt sich ein zweiter Blower-Door-Test zur Nachkontrolle. Für alle Neubauten mit einer Lüftungsanlage, ist ein Blower-Door-Test ohnehin Pflicht. Pflicht ist solch ein Test auch, wenn Sie bestimmte KfW-Programme beantragen wollen.

Auch bei einer Altbausanierung führt zumeist kein Weg am Blower-Door-Test vorbei. Durch die Leckageortung kann der Sanierer herausfinden, an welchen Stellen die Luftdichte zu wünschen übrig lässt.

Auf dieser Basis kann er dann einen entsprechenden Sanierungsplan erstellen. Da Altbauten nur selten den modernen Wohnstandards entsprechen, ist eine energetische Sanierung besonders empfehlenswert. Dabei erhöht sich nicht nur der Wohnkomfort. Auch die Umwelt wird dank des verringerten Energieverbrauchs und der reduzierten Emissionen geschont.

Blower Door Test selbst durchführen

Grundsätzlich kann jeder einen Blower-Door-Test selbst durchführen und so die Ausführung der Luftdichte eines Gebäudes überprüfen. So kann zum Beispiel ein entsprechendes Messgerät bei der Firma Gebäudemesstechnik Beyermann gemietet werden. Um einen ordnungsgemäßen Aufbau und Betrieb des Gerätes zu gewährleisten, liegt diesem natürlich eine detaillierte Auf-, Abbau- und Bedienungsanleitung bei.

Bevor Sie den Test durchführen, gilt es einige Vorbereitungen zu treffen. Zunächst einmal sollten Sie alles abdichten, was Sie abdichten können. Das heißt, Sie müssen alle Außentüren und Fenster schließen. Schließen Sie auch die Türen zu unbeheizten Bereichen (z.B. Kellern) sowie Luken und Bodentreppen.

Die Innentüren dagegen öffnen Sie. Sind Lüftungsanlagen vorhanden, müssen Sie auch Außen-, Zu- und Abluftdurchlässe abdichten.

Anders wiederum mit der Schornsteinlüftung und der Kaminabzugsklappe. Diese schließen Sie, allerdings ohne sie ab zu kleben.

Blower Door Test in Auftrag geben

Die eigenständige Überprüfung der Luftdichte ist eine günstige Möglichkeit, Eigenleistung bei der Sanierung einzubringen.

Allerdings können Sie solch einen Blower-Door-Test nur zur Selbstkontrolle verwenden. Der Vorteil ist, dass Sie relativ schnell und kostensparend Feedback bekommen, wo undichte Stellen sein könnten. Ein offizielles Messergebnis gibt es bei diesem selbst durchgeführten Test am eigenen Haus nicht. Das Gerät dient nur der Herstellung einer Druckdifferenz mit anschließender Leckagesuche.

Brauchen Sie also ein Zertifikat, müssen Sie eine Fachfirma beauftragen. Diese sollte möglichst Mitglied bei der DGNB oder dem FLiB sein.

Mittels spezieller Software speichert der Fachmann die Ergebnisse und erstellt ein Leckage-Protokoll sowie ein Prüfbericht. Das Protokoll enthält in der Regel eine Übersicht der aufgedeckten Fehlerstellen mit Erläuterungen, Fotos und Ortsbestimmungen. Auf Wunsch beraten Fachfirmen nach dem Blower-Door-Test, wie Sie die undichten Stellen am besten abdichten. Der Prüfbericht mit Zertifikat ist wie gesagt immer dann Pflicht, wenn Sie bestimmte KfW-Programme nutzen.

Bildquellen:

© Rainer Sturm  / pixelio.de (beide Fotos)

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