Handwerksbetrieb oder Industriebetrieb?

(Aktualisiert am 4. Mai 2022)

Die Handwerker selbst, ihre Erfahrung und Geschick sind das A. und O. eines Handwerkbetriebes.
Die Handwerker selbst, ihre Erfahrung und Geschick sind das A. und O. eines Handwerkbetriebes.

Was ist noch ein Handwerksbetrieb und wo beginnt der Industriebetrieb? Das Handwerk, die Industrie und der Einsatz von Maschinen – wie hängt eines mit dem anderen zusammen? Zwischen den Bereichen Handwerk und Industrie gibt es klare Abgrenzungen. Maschinen aber sind ein Element, das sowohl im Handwerksbetrieb als auch in wohl jedem Industriebetrieb zu finden ist. Inwiefern eine Abgrenzung beider Bereiche üblich geworden ist und was für ein Zusammenspiel wiederum zu beobachten ist, erfahren Sie in diesem Beitrag.

Noch Handwerksbetrieb oder schon Industriebetrieb?

Zwischen beiden Formen von Betrieben kommt es mitunter zu Abgrenzungsschwierigkeiten. Das Handwerk grenzt sich „nach oben“ zur Industrie ab. In der Industrie ist es üblich, sich „nach unten“ zum „Minderhandwerk“ abzugrenzen. Unklarheiten oder Graubereiche sind in dem Maße wahrscheinlich, in denen man Maschinen einsetzt. Ist das dann noch Handwerk? Oder schon Industrie? Wo ist die Grenze?

In einem Industriebetrieb kommen ungleich viel mehr Maschinen zum Einsatz. In diesem Stahl-und Walzwerk ist zum Beispiel kein Mensch zu sehen.
In einem Industriebetrieb kommen ungleich viel mehr Maschinen zum Einsatz. In diesem Stahl-und Walzwerk ist zum Beispiel (gerade) kein Mensch zu sehen.

Für eine industrielle Betriebsweise spricht in solchen Fällen ein umfassendere Einsatz von Maschinen, der für handwerkliche Arbeiten im engeren Sinne kaum noch Raum lässt. In einem Handwerksbetrieb werden Maschinen ja nur dann eingesetzt, wenn sich die Arbeit der Handwerker dadurch erleichtern lässt. Die Handwerker selbst, ihre Erfahrung und Geschick bleibt aber das A. und O. des Unternehmens. Maschinen ersetzen also die Menschen nicht, sondern sollen nur unterstützen. Sobald aber die Handfertigkeit von Menschen durch Maschinen ersetzt wird, spricht man von einer industriellen Betriebsweise. Diese Abgrenzung hat auch einen rechtlichen Hintergrund.

Handwerksbetrieb oder Industrie – rechtliche Folgen

Bei einem Handwerksbetrieb befasst sich ein Mitarbeiter in allen Phasen mit der Herstellung eines handwerklichen Produktes. In einem Industriebetrieb wird von einer weitgehenden Arbeitsteilung gesprochen. Ein Handwerksbetrieb unterscheidet sich damit von einem Industriebetrieb, dass man ausgebildete Kräfte für die Arbeit braucht. So spricht man eben auch nicht umsonst von einer „Handwerkskunst“, die man denn auch von Generation zu Generation weitergeben kann. In einem Industriebetrieb ist das nicht der Fall. Tätigkeiten in solchen Unternehmen kann auch eine ungelernte oder angelernte Kraft übernehmen. Deshalb, so die rechtliche Formulierung, liegt dann keine handwerkliche Betätigung im Sinne der Handwerksordnung (HwO) mehr vor.

Man kann es auch anders sagen: Wenn eine ungelernte oder angelernte Kraft die Arbeit verrichten kann, dann handelt es sich zumeist auch um eine Massenanfertigung. Im Handwerk gibt es derartiges nicht, hier handelt es sich in den meisten Fällen um Einzelfertigungen, welche meist auf eine private Bestellung erfolgen. Dadurch bleibt es rechtlich auch erkennbar, wer zum Beispiel ein besonderes Exemplar herstellte. In der Industrie wäre das ganz undenkbar. Statt dessen spricht man in der Industrie von einem „anonymen Markt“, in dem auch so etwas wie Whitelabel-Produktion vorherrscht.

Zusammenspiel der beiden Bereiche

Handwerker nutzen selbstverständlich auch Maschinen, nicht selten auch ganze Anlagen oder etwa ein Bohrwerk CNC. Das tun auch Industrieunternehmen, jedoch in völlig anderen Dimensionen, was die Fertigungsanzahl betrifft und wahrscheinlich auch mit einem viel größeren Equipment. Somit können sich Handwerk und Industrie ergänzen. Besondere Einzelfertigungen, welche in einem Industrieunternehmen nicht hergestellt werden können, aufgrund mangelnder Kosteneffizienz, können aus einem Handwerksunternehmen bestellt werden. Ebenso können Handwerker auch als Zulieferer dienen für bestimmte Einzelteile, die man dann in der Industrie weiter verarbeiten kann. Der Handwerker wiederum kann aus der Industrie Teile bestellen, welche in Menge, Form oder Qualität nicht selbst hergestellt werden können. Beide Betriebsformen verbindet, dass es sich beiderseits um Betriebe handelt, welche Maschinen einsetzen. Die Art und Weise ist nur gänzlich unterschiedlich.

Einfluss von Betriebsgrößen

Kreative Tätigkeiten sind eher in einem kleinen überschaubaren Unternehmen möglich.
Kreative Tätigkeiten sind eher in einem kleinen überschaubaren Unternehmen möglich.

Die Betriebsgröße hat ebenfalls Einfluss auf die Unterscheidung zwischen Handwerk und Industrie. Die räumliche Ausdehnung des Betriebes, die Anzahl der Beschäftigten und auch die Anzahl von Filialen spielt im Wesentlichen eine Rolle. Für einen Handwerker muss es möglich sein, etwa die Kontrolle, den kreativen Teil, die Überwachung und die Anweisungen selbst im Blick zu behalten. Bei einem Industrieunternehmen ist es zumeist anders. Für Organisation und Management gibt es in Industriebetrieben spezialisierte Leiter je Abteilung. Durch diese hierarchische Struktur kann ein Unternehmen auf eine Weise wachsen, in der auch eine internationale Erweiterung möglich ist. Eine solche Möglichkeit hat ein Handwerksunternehmen in der Regel nicht.

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